Gewürznelke
Kleine Knospen, große Wirkung
Wusstest du, …
… dass Gewürznelken ursprünglich nur auf fünf Inseln der indonesischen Molukken wuchsen? Die Bewohner pflanzten dort für jedes neugeborene Kind einen Nelkenbaum, denn sein Schicksal galt als mit dem des Kindes verbunden.
… dass im kaiserlichen China der Han-Dynastie Hofbeamte Nelken kauen mussten, um ihren Atem zu erfrischen, bevor sie mit dem Kaiser sprachen?
Allgemeines
Die Gewürznelke (Syzygium aromaticum) ist ein Blütengewürz und sie zählt zur Familie der Myrtengewächse (Myrtaceae). Ihren Ursprung hat die Gewürznelke auf den nördlichen Molukken in Indonesien. Sie gehört zu den am frühesten gehandelten Gewürzen. Bereits zur Zeit der Han-Dynastie in China wurde die Gewürznelke zu rituellen Zwecken verwendet. Während der Römerzeit gelangte die Gewürznelke nach Europa, wo sie als Luxusgut galt.
Die Bezeichnung „Nelke“ wird auf das altdeutsche „Nägelin“ (Nagel) zurückgeführt. Dies bezieht sich auf die nagelartige Form der Knospen. Auch in anderen Sprachen wird auf dieses Aussehen verwiesen. So heißt die Nelke auf Französisch „clou“ und „nagel“ auf Niederländisch.
Kolonialgeschichte
Zunächst etablierten die Portugiesen im 16. Jahrhundert ein Handelskontor auf der indonesischen Insel Ternate. Sie organisierten den Nelkenhandel als Tauschhandel. Im 17. Jahrhundert übernahmen die Niederländer die Kontrolle. Sie beschränkten den Anbau und setzten ein striktes Monopol durch. Nelkenbäume, die nicht Teil der niederländischen Ostindien-Kompanie (VOC) waren, ließen die Niederländer abbrennen, um die Preise hochzuhalten. Das niederländische Monopol endete, als die Franzosen zwischen 1770 und 1772 Gewürznelkenbäume in ihre Kolonien schmuggelten. Jedoch bestand die Kolonialherrschaft der Niederlande über Indonesien bis ins 20. Jahrhundert.
Die Zeit der niederländischen Kontrolle zeichnete sich durch Gewalt und Unterdrückung aus. Bei der Besetzung der Anbaugebiete kamen viele Einheimische zu Tode und ungenehmigten Anbau bestraften die Niederländer hart. Viele Menschen der indonesischen Bevölkerung litten unter Armut.
Anbaugebiete
Für ein optimales Wachstum benötigen Gewürznelkenbäume einen durchschnittlichen Jahresniederschlag von 1.500 – 2.500mm und ganzjährig Temperaturen von 22 bis 28 °C. Geeignete Böden sind lockere Böden mit einer Mächtigkeit von mindestens 1,5 Metern. Dazu zählen verschiedene tropische Bodentypen wie Andosole oder Latosole.
Zu den heutigen Hauptanbaugebieten zählen nach wie vor Indonesien sowie Madagaskar, die Philippinen, La Réunion, Mauritius, Sri Lanka, Tansania und Malaysia. Aktuell ist Indonesien sowohl der größte Konsument als auch der größte Produzent von Gewürznelken. Die Karte zeigt die Top 10 Länder gemessen an der Menge angebauter Gewürznelken im Jahre 2023. Die Daten stammen von der Food and Agriculture Organization (FAO).
Anbau und Ernte
Der Gewürznelkenbaum ist ein immergrüner Baum und erreicht eine Höhe von etwa 8 bis 20 Metern. Erste Erträge entstehen nach rund vier Jahren, die höchsten Erträge werden jedoch erst nach etwa zwanzig Jahren erzielt. Die Blütezeit ist regional unterschiedlich. In Indien liegt sie meist zwischen Februar und Mai, während es in Sansibar zwei Blütephasen gibt. Der Gewürznelkenbaum wird sowohl in Plantagen, als auch in Mischkulturen angebaut.
Geerntet werden die vollständig entwickelten, aber noch ungeöffneten Blütenknospen. Diese sind zum Zeitpunkt der Ernte rötlich gefärbt. Kurz vor dem Aufblühen werden sie gepflückt, da der Aromagehalt dann am höchsten ist. Die Ernte ist arbeitsintensiv und erfolgt ausschließlich per Hand. Die Hauptsaison liegt zwischen Juni und Dezember.
Zur Haltbarmachung werden die Knospen in der Sonne oder im Rauch getrocknet. Dabei verfärben sie sich dunkelbraun und verlieren bis zu 75% ihres Gewichts. Vor dem Verkauf werden die Nelken sortiert. Hochwertige Nelken sind prall, gleichmäßig braun und stark aromatisch.
Verwendung
Gewürznelken finden sowohl in der Küche als auch in der Industrie vielfältige Verwendung. In der Ernährung werden sie zum Würzen von Fleisch- und Fischgerichten, Saucen, Süßspeisen und Backwaren eingesetzt. Außerdem sind sie ein fester Bestandteil von Glühwein, Punsch, Kräuterlikören und verschiedenen Gewürzmischungen wie Curry.
Das Nelkenöl spielt eine wichtige Rolle in der Industrie. Es wird unter anderem in der Parfüm- und Kosmetikindustrie sowie in Zahnpflegeprodukten wie Zahnpasta und Mundwasser verwendet.
Darüber hinaus werden Gewürznelken zur Herstellung sogenannter „Pomander“ verwendet, bei denen Orangen mit Nelken dekoriert werden. Diese dienen als duftende Objekte und werden insbesondere als Geschenke oder als dekorativen Schmuck zur Weihnachtszeit genutzt. Der Brauch ist bereits seit dem Mittelalter bekannt und wurde insbesondere im viktorianischen England verbreitet.
Ein großer Teil der weltweiten Nelkenernte wird in Indonesien zur Herstellung von Kretek-Zigaretten verwendet. Dabei werden Tabak und Gewürznelken gemischt, wobei der Nelkenanteil etwa 40 % beträgt. Kretek-Zigaretten sind dort kulturell stark verankert und wirtschaftlich von großer Bedeutung.
Pharmazeutische Wirkung
Die pharmakologische Wirkung der Gewürznelke beruht auf ihrem hohen Gehalt an ätherischem Öl. Dieser liegt je nach Quelle zwischen 14 und 25%. Hauptbestandteil des ätherischen Öls ist Eugenol, das etwa 70 bis 85% ausmacht. Weitere Inhaltsstoffe sind Eugenolacetat und Caryophyllen.
Aufgrund dieser Zusammensetzung wirken Gewürznelken keimhemmend, antiseptisch und lokal betäubend. Besonders in der Zahnheilkunde werden sie zur Schmerzlinderung und Desinfektion eingesetzt. Zudem besitzen Gewürznelken entzündungshemmende und schmerzlindernde Eigenschaften und können bei Verdauungsbeschwerden eingesetzt werden.
Siegel
Zu Zertifizierungsprozessen von Gewürznelken sind wenige Informationen öffentlich zugänglich. Einzig der Blick in den Supermarkt offenbart, dass zertifizierte Gewürznelken meist das EU-Bio-Siegel tragen. Das EU-Bio-Siegel kennzeichnet Produkte, die biologisch erzeugt wurden. Demnach dürfen unter anderem Kunstdünger, Unkrautvernichtungs- und Schädlingsbekämpfungsmittel nur begrenzt beim Anbau eingesetzt werden. Die genauen Vorschriften zum Anbau von Gewürznelken werden jedoch nicht kommuniziert. Zusätzlich kann man vereinzelt Gewürznelken kaufen, die durch Naturland Fair oder Fairtrade zertifiziert sind.
Im konventionellen Gewürznelkenanbau bestehen Probleme, wie eine niedrige genetische Artenvielfalt durch Monokulturen und fehlendes Bodenmanagement. Daher sind Siegel notwendig, um durch verbindliche Standards nachhaltige Praktiken in Gang zu setzen und um mehr Transparenz zu schaffen.
Nachhaltigkeit
Heutzutage sind Nelkenbauern mit unterschiedlichen Herausforderungen konfrontiert. Da die Einnahmen aus dem Nelkenanbau meist den Großteil ihres Gesamteinkommens ausmachen, sind sie gegenüber Marktschwankungen sehr anfällig. Der Preis für Gewürznelken ist instabil und nicht vorhersehbar. Eine mögliche Anpassungsstrategie stellt die Diversifizierung der Einkommensquellen dar.
Eine weitere Herausforderung sind die extremen Schwankungen der Niederschläge, die aufgrund des Klimawandels häufiger auftreten. Durch wechselnde Klimabedingungen wachsen die Gewürznelken nicht wie erwartet und es kommt zu Ernteeinbußen. Agroforstsysteme und ein verbessertes Bodenmanagement durch den Einsatz von Mulch können die negativen Auswirkungen verringern.Agroforstsysteme kombinieren den Anbau von Bäumen und Nutzpflanzen auf derselben Fläche, um ökologische Vorteile wie den Bodenschutz zu nutzen. Bereits jetzt wandeln immer mehr Nelkenbauern ihre Gewürznelkenplantagen in Agroforstsysteme um. Dabei werden gemeinsam mit dem Gewürznelkenbaum auch Fruchtbäume wie der Jackfruchtbaum, sowie Waldbäume und andere Gewürze, darunter die Vanille oder der Pfeffer, angebaut.
Damit die Nelkenbauern auch zukünftig vom Gewürznelkenanbau leben können, sind politische Maßnahmen erforderlich. Hilfreich könnten Preisstabilisierungen sowie Beratungen und Forschungsprojekte sein.