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Kurkuma

Das goldene Gewürz

Wusstest du, …

… dass Kurkuma auch das Gewürz des Lebens genannt wird?
… dass seine Farbe von Curcumin kommt?

Allgemeines

Kurkuma (Curcuma longa) gehört zur Familie der Ingwergewächse (Zingiberaceae) und ist aufgrund seiner intensiv gelben Färbekraft auch unter dem Namen „Gelbwurz“ bekannt. Die charakteristische Farbe geht auf den Inhaltsstoff Curcumin zurück. Der Ursprung der Kurkumapflanze liegt vermutlich in Indien und Südostasien, wo sie bereits seit Jahrtausenden kultiviert und genutzt wird. Zunächst diente Kurkuma vor allem als Färbemittel, bevor es auch als Gewürz, Heilmittel und Bestandteil kosmetischer Produkte Verwendung fand.

Auch wirtschaftlich ist Kurkuma bedeutend: 2019 wurden rund 15.000 Tonnen in die EU importiert, womit das Gewürz den vierten Platz unter den Gewürzimporten einnahm.

Kurkuma
Kurkumapflanze mit Rhizomen

Botanik

Die Kurkumapflanze kann eine Wuchshöhe von bis zu einem Meter erreichen und besitzt große, lanzettförmige Blätter. Charakteristisch ist die Ausbildung knolliger Wurzelstöcke, sogenannter Rhizome, die unterirdisch wachsen. Diese Rhizome sind verdickte Sprossachsen, die der Speicherung von Nährstoffen dienen und der Pflanze ermöglichen, ungünstige Wachstumsbedingungen zu überdauern. Gleichzeitig stellen sie die Grundlage der vegetativen Vermehrung dar. Auch Pflanzen wie Ingwer oder Spargel bilden solche Rhizome. Trotz der Bezeichnung „Wurzelstock“ handelt es sich dabei aber nicht um echte Wurzeln, sondern um Sprossen mit Knospen und Blattanlagen. Unterschieden werden zwei Haupttypen der Kurkuma-Rhizome nach ihren indischen Anbaugebieten benannt sind. Der Alleppey-Typ mit orange-gelbem Fruchtfleisch und hohem Curcumingehalt (4–7%) wird überwiegend in die USA exportiert, während der hellere Madras-Typ mit etwa 2% Curcumin vor allem in Großbritannien und im Nahen Osten für Senf- und Currypulver genutzt wird.

Anbaugebiete

Kurkuma wird vor allem in Asien angebaut, insbesondere in Ländern wie Indien, Sri Lanka, Bangladesch, Myanmar, China, Thailand und Indonesien. In geringerem Umfang findet der Anbau auch in Teilen Afrikas sowie Südamerikas statt.

Indien ist hierbei der wichtigste Akteur. Das Land ist zugleich der größte Produzent, Konsument und Exporteur von Kurkuma. Rund 73% der weltweiten Produktion stammen aus Indien, ebenso stammen etwa 66 % des globalen Exports aus dem Land.

Geerntete Kurkumapflanze

Anbau und Ernte

Der Kurkuma-Anbau stellt hohe Ansprüche an die Umgebung und benötigt eine frostfreie Wachstumsperiode von sieben bis zehn Monaten. Ideal für ein gesundes Wachstum sind konstante Temperaturen zwischen 20 °C und 35 °C sowie reichlich Wasser durch eine jährliche Niederschlagsmenge von mindestens 1500 mm. Die Pflanze gedeiht dabei am besten in gut durchlässigen, lehmigen Böden mit einem pH-Wert zwischen 4,5 und 7,5. Die Vermehrung erfolgt vegetativ über Rhizomstücke, die im Abstand von etwa 30 x 15 cm gesetzt werden. Da Kurkuma Halbschatten verträgt, eignet sie sich hervorragend für Mischkulturen mit Mais oder Chili.

Je nach Region und Niederschlagsmenge nutzen Landwirte unterschiedliche Anbautechniken. Bei der Hochbeet-Methode werden etwa 30 cm hohe Beete angelegt, um die Wurzeln in regenreichen Gebieten vor Fäulnis durch Staunässe zu schützen. Etwas einfacher ist der Flachbeet-Anbau, bei dem die Rhizome in flache Furchen gesetzt und meist per Flutbewässerung versorgt werden. Diese Methode ist jedoch anfälliger für Krankheiten. Eine effiziente Alternative ist der Damm- und Furchenanbau: Die Dämme bieten der Wurzel ideale Bedingungen zur Entwicklung, während die Gräben dazwischen für eine kontrollierte Bewässerung und gute Entwässerung sorgen.

Sobald die oberirdischen Pflanzenteile zu welken beginnen, ist der richtige Zeitpunkt für die Ernte gekommen. Dabei werden die wertvollen Wurzelstöcke zusammen mit den Seitentrieben vorsichtig aus dem Boden gehoben. 

Produkte

Kurkuma findet in vielfältigen Bereichen Verwendung. Besonders häufig wird es in Gewürzmischungen eingesetzt, wo es nicht nur das Aroma, sondern auch die charakteristische gelbe Färbung von Produkten wie Curry oder Senf bestimmt.

Aufgrund seiner intensiven Farbe wird Kurkuma zudem häufig als kostengünstiger Ersatz für Safran verwendet und ist auch unter der Bezeichnung „indischer Safran“ bekannt. Neben der kulinarischen Nutzung spielt Kurkuma auch als Nahrungsergänzungsmittel eine Rolle. In der Naturheilkunde, insbesondere in der ayurvedischen Medizin, wird es seit Jahrhunderten geschätzt und angewendet. Erhältlich ist Kurkuma unter anderem als frische Kurkumawurzel, in gemahlener Form als Kurkumapulver sowie in Form von Kapseln oder Tabletten.

Kurkuma in Kapsel, Pulver und Wurzelform
Kurkuma am Gewürzmarkt

Siegel

Der weltweite Bedarf an Kurkuma wächst stetig, doch der Anbau steht vor massiven ökologischen und sozialen Hürden. Ein zentrales Problem ist die Hohe Pestizid- und Düngemittelbelastung in den Hauptanbauländern, die nicht nur die Artenvielfalt schädigt, sondern durch mangelnden Arbeitsschutz auch die Gesundheit der Landwirte gefährdet. Orientierung für Verbraucher:innen bieten verschiedene Siegel, die über nachhaltigere Anbau- und Handelsbedingungen informieren. Dazu zählen im Fall Kurkuma das EU-Bio-Siegel, das Deutsche Bio-Siegel sowie das Demeter-Siegel, die eine Produktion nach ökologischen Richtlinien kennzeichnen. Ergänzend signalisiert das Fairtrade-Siegel faire Handelsbedingungen und bessere soziale Standards für die Produzent:innen in den Anbauländern.

Nachhaltigkeit

Klimatisch ist die Pflanze eine echte Herausforderung, da sie sehr empfindlich auf Wassermangel reagiert. Zwar führt Wasserstress dazu, dass die Pflanze als Schutzreaktion die Konzentration an wertvollem Curcumin und ätherischen Ölen erhöht, doch geschieht dies auf Kosten des Wachstums. Die Wurzeln bleiben deutlich kleiner, was das Rhizomgewicht und damit den direkten Ertrag für die Bauern massiv reduziert. Zudem erschöpft die intensive Nutzung in neu erschlossenen Gebieten die Bodenreserven sehr schnell, da Kurkuma dem Boden als Starkzehrer viele Nährstoffe entzieht.

Ein vielversprechender Lösungsansatz ist die ökologische Agroforstwirtschaft, wie das sogenannte „Alley Cropping“. Hierbei wird Kurkuma zwischen Reihen von Leguminosen-Bäumen (z. B. Leucaena) gepflanzt. Da Kurkuma schattentolerant ist, profitiert sie von einem kühleren Mikroklima und einer höheren Bodenfeuchtigkeit. Die Bäume binden Stickstoff im Boden, was den Bedarf an chemischen Düngern senkt und die Bodenqualität nachhaltig sichert.

Für Konsumenten und Unternehmen ist die Wahl von Bio-Zertifizierungen der effektivste Weg, da diese den Einsatz kritischer Pestizide verbieten und nachweislich die Biodiversität sowie die Bodenstruktur fördern. Dennoch zeigen Studien, dass Siegel allein oft nicht ausreichen; erst eine direkte Zusammenarbeit mit den Erzeugern und faire Preise ermöglichen es den oft armutsbetroffenen Bauern, langfristig in diese nachhaltigen Anbaumethoden zu investieren.