Ingwer
Kleine Knolle - Große Wirkung
Allgemeines – Anbaugebiete – Anbau und Ernte – Verwendung – Konsum – Siegel – Nachhaltigkeit
Wusstest du, …
… dass der Ingwer die Heilpflanze des Jahres 2018 war und die Arzneipflanze des Jahres 2026 ist?
… dass Ingwer gegen Muskelkater hilft?
Allgemeines
Der botanische Name der Pflanze lautet Zingiber officinale. Sie gehört zur Familie der Ingwergewächse, die auch unter der wissenschaftlichen Bezeichnung Zingiberaceae bekannt ist. Diese Pflanzenfamilie umfasst weltweit rund 150 verschiedene Arten, die vor allem in den tropischen und subtropischen Regionen Asiens, Afrikas und Australiens verbreitet sind. Trotz dieser großen Artenvielfalt spielt im Handel hauptsächlich eine einzige Art eine bedeutende Rolle: Zingiber officinale.
Die Ingwerpflanze ist eine krautiges, rhizombildendes Gewächs, welches eine Höhe von ca. einem Meter erreicht. Das eigentliche Hauptorgan stellt der unterirdische Spross dar, welcher zur Überdauerung der Pflanze, zur Speicherung von Nährstoffen, sowie der Vermehrung dient.
Aus dem verzweigten Rhizom gehen sowohl Wurzeln als auch oberirdische Pflanzenteile hervor. Der oberirdische „Stamm“ ist ein sogenannter Pseudostamm, welcher von schilfförmigen Laubsprossen umgeben ist. Die Blüten der Pflanze haben eine gelbe Farbe mit purpurfarbenen Lippen. In seltenen Fällen bildet die Pflanze Früchte aus, welche Samen beinhalten.
Die genaue Herkunft von Ingwer kann nicht genau bestimmt werden. Klar ist nur, dass dieser aus dem südostasiatischen Bereich stammt und im Zeitalter der Antike durch arabische Händler nach Europa kam. Im deutschsprachigen Gebiet wurde er um 900 n.Chr. verbreitet.
Anbaugebiete
Für ein optimales Wachstum benötigt Ingwer ein tropisches bis subtropisches Klima, kann inzwischen aber auch kühleren, gemäßigten Zonen kultiviert werden kann. Heutzutage wird Ingwer in vielen tropischen und subtropischen Regionen weltweit angebaut. Zu den wichtigsten Produktionsländern zählen laut FAO (2023) unter anderem Indien, China, Nigeria, Indonesien, Thailand, Bangladesch, Japan und Kamerun, wobei Indien und China den größten Produktionsanteil darstellen.
Die Ingwerpflanze braucht warmes und feuchtes Klima mit konstanten Temperaturen zwischen 25° bis 30° C. Neben der Temperatur spielt auch die ausreichende Wasserversorgung eine entscheidende Rolle. Für die optimale Entwicklung der Pflanze ist durchschnittlich eine Niederschlagsmenge von 500 bis 1200 mm notwendig.
Für ein optimales Wachstum benötigt der Ingwer einen schattigen Standort. Bei zu hoher Intensität der Sonneneinstrahlung kann es zu einer Schädigung der Pflanze kommen. Besonders gut gedeiht er in lockeren, durchlüfteten und humusreichen Böden mit hohem organischem Anteil, sowie einem hohen Stickstoffgehalt.
Anbau und Ernte
Ingwer wird als einjährige Kulturpflanze angebaut und vegetativ über die Teilung des Rhizoms vermehrt. Der Anbau erfolgt entweder in Plantagen oder in Agroforstsystemen, wobei letztere wegen der schattigen Umgebung besonders geeignet sind. Im Agroforstsystem wird Ingwer häufig in Mischkultur angebaut, beispielsweise in Kombination mit Kokospalmen, Obstbäumen, Bittermelonen oder Bohnen. In kühleren, gemäßigten Klimazonen werden zur Schaffung geeigneter Wachstumsbedingungen häufig Gewächshäuser oder Folientunnel eingesetzt.
Die Ernte der Rhizome erfolgt nach der Gelbfärbung der Blätter, meist neun bis zwölf Monate nach dem Pflanzen. Dabei muss die Ernte im Bereich der gemäßigten Zonen vor dem ersten Frost erfolgen, um mögliche Schädigungen des Rhizoms zu vermeiden. Die Ernte erfolgt entweder per Hand oder maschinell. In kleinen Betrieben wird Ingwer meist mit Grabengabeln geerntet, während in größeren Betrieben überwiegend automatisierte Verfahren eingesetzt werden, die eine angepasste Anbauweise zu Vermeidung von Rhizomschäden erfordern.
Verwendung
Der Ingwer gilt als sehr vielfältiges Gewürz. Da er inzwischen auf allen Kontinenten angebaut wird, fand er unter anderem Einzug in verschiedenste Küchen. Er wird frisch geschnitten und als Pulver für verschiedene Speisen oder Tees verwendet, dient aber auch zur Aromatisierung von Bier oder Erfrischungsgetränken. Verwendet wird hierfür das sogenannte Rhizom der Pflanze.
Neben dem Einsatz in der Küche, wurde der Ingwer ursprünglich als Wirkstoff in der chinesischen und ayurvedischen Medizin verwendet. Er half unter anderem bei Halsschmerzen, Fieber und Krämpfen.
Das Rhizom fand auch in der westlichen Medizin langsam seinen berechtigten Platz. Verschiedene Studien bestätigten die positive Wirkung bei Beschwerden des Bewegungsapparats und des Magen-Darm-Bereichs.
Konsum
Ingwer kann unter anderem roh, gekocht oder als Pulver konsumiert werden. Das sind zwar zwar die bekanntesten, jedoch längst nicht alle Möglichkeiten.
Während der Ingwer in Asien schon lange verwendet wird und nicht mehr wegzudenken ist, wurde er in den letzten Jahren auch in Europa immer beliebter. Im Jahre 2020 belief sich der weltweite Ingwermarkt auf 6.82 Mrd. US-Dollar. Bereits im Jahr 2019 importierte allein Deutschland Rhizome im Wert von 43 Mio. €. Dies würde einer Menge von etwa 250 Gramm pro Kopf entsprechen. Zum direkten Vergleich: Im Jahr 2014 belief sich die Zahl auf knapp die Hälfte. So hat sich seit 2010 die weltweite Produktion der Knolle verdoppelt. Die Tendenz bleibt, vor allem in Westeuropa und Nordamerika, steigend
Wusstest Du…
… dass es Menschen gibt, die den speziellen scharf-würzigen und gleichzeitig erfrischend-zitrusartigen Geschmack des Ingwers nicht mögen? Daher gibt es inzwischen sogar Präparate aus Ingwer, die geschluckt werden können. So wird der direkte Kontakt mit dem Geschmack vermieden, die Wirkung bleibt aber die gleiche.
Siegel
Im Bereich der Zertifizierung finden sich beim Ingwer 3 bekannte Siegel. Hinter dem Begriff Rainforest Alliance verstecken sich zwei Unterteilungen: zum einen die Rainforest Alliance People & Nature und Rainforest Alliance Regenerative. Das Demeter Siegel gibt als Ziel vor, dass die Bio-Lebensmittel im Einklang mit der Natur erzeugt werden müssen. Das EU-Bio-Siegel ist EU-weit einheitlich und garantiert, dass vorverpackte Bio-Lebensmittel aus ökologischem Landbau stammen. Die EU-Öko-Verordnung hingegen legt fest, wie die Produkte innerhalb der EU produziert, kontrolliert, importiert und gekennzeichnet werden müssen.
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Nachhaltigkeit
Eine Methode, um den Ingweranbau nachhaltiger zu gestalten, ist es, die Anbaugebiete für den europäischen Konsum teilweise nach Europa zu verlagern. Inzwischen wird ein Teil des Ingwers bereits in Gärtnereien in Deutschland angebaut, dies soll in Zukunft weiter ausgebaut werden. So werden dem Ingwer lange Transportwege aus China und Indien erspart, was den Transport im Sinne der ökologischen Nachhaltigkeit verbessern würde.
Im Rahmen einer Bio Zertifizierung verpflichtet man sich zu einem Anbau ohne Düngemitteln. So werden im biologischen Anbau keine Pestizide verwendet was sich sowohl auf das Rhizom selbst, als auch auf die direkte Anbauumwelt auswirkt.
Als wohl nachhaltigste Variante, kann der Ingwer auch zu Hause angebaut und geerntet werden. So muss die Knolle keinen langen Weg zum Verbraucher überwinden, die Ware ist frisch und nicht von Düngemitteln belastet.