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Banane

Krumme Wege zum Genuss: Nachhaltigkeit im Bananenanbau

AllgemeinesAnbaugebieteAnbau und ErnteKonsumSiegelHerausforderungenNachhaltigkeit

“Warum ist die Banane krumm?” – Kaum eine Frage ist im Volksmund geläufiger und die Antwort darauf recht simpel. Die Ursache der Krümmung liegt darin, dass die Bananen während ihres Wachstums die Richtung wechseln. Hängen die Früchte zunächst nach unten, krümmen sie sich im Laufe des Wachstums an der Staude, in Richtung des Lichts, nach oben.

Allgemeines

Die Dessertbanane mit dem botanischen Namen Musa x paradisica gehört zur Familie der Bananengewächse, der Musaceae. Der Name Banane leitet sich vermutlich vom arabischen Wort “banan” ab, was so viel wie Finger bedeutet. Eine interessante Erkenntnis liefert die Botanik, in welcher die Banane als Beere klassifiziert wird. In Deutschland sind diese Beeren extrem beliebt und nach dem Apfel das am zweithäufigste verspeiste Obst. Was auch an den Vitaminen, Mineralstoffen, Zucker und den Ballaststoffen liegt, welche Bananen enthalten. Diese gesunden Früchte schauen wir uns im Folgenden genauer an.

Anbaugebiete

Die Banane hat ihren Ursprung im Malaiischen Archipel und kam über Indonesien und Madagaskar nach Afrika. Von dort aus wurde sie zunächst von spanischen Seefahrern auf die karibischen Inseln transportiert und gelangte schließlich im Mittelalter nach Südamerika. Das heute im Supermarkt vorfindbare Obst stammt größtenteils aus Süd- oder Zentralamerika, vor allem aus Kolumbien, Costa Rica und der Dominikanischen Republik. Neben den oben genannten Ländern werden Bananen auch im asiatischen Raum, vor allem in China, Indien, Indonesien oder den Philippinen, sowie in afrikanischen Ländern wie Ghana, Nigeria, Kamerun, Angola und Tansania angebaut.

Anbau und Ernte

Grundsätzlich findet der Bananenanbau vor allem in den Tropen und Subtropen statt, wo ein gleichmäßig warmes Klima mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von mindestens 20°C und gut verteilten Jahresniederschlägen von 2000 bis 2500mm herrscht. Zudem benötigen Bananenpflanzen viel Licht und wenig Wind. Der Boden sollte locker sein, einen pH-Wert von 5,5 bis 6,5 aufweisen und der Oberboden reichlich organisches Material enthalten.

Während die Kleinbauern hauptsächlich für den lokalen Bedarf produzieren, wird die Ernte der größeren Betriebe größtenteils exportiert. Die Ernte findet meistens zu zweit statt: Eine Person schneidet die Bananenstaude oben ab und die zweite Person trägt die im Durchschnitt 50kg schweren Früchte zu einer Seilbahn zwischen den Staudenreihen. Von dort aus kommen sie direkt in die Verpackungsstation, in der sie gewaschen und von Pestiziden befreit werden. Anschließend wird das Obst sortiert und in handliche Bündel unterteilt. Zuletzt wird die Banane in Kisten verpackt und für den Transport vorbereitet.

Konsum

Allein in Deutschland liegt der jährliche Pro-Kopf-Verzehr von Bananen bei 12,4 kg und belegt somit den zweiten Platz, gleich nach dem Apfel. Die Europäische Union ist sogar der größte Importeur von Obstbananen mit 5,2 Mio. Tonnen im Jahr. Äußerst interessant ist zudem, dass auch in Europa (z.B. auf Madeira und Guadeloupe)  Bananen angebaut werden und 10% des europäischen Bedarfs decken. Grundsätzlich ist festzuhalten, dass zwischen Obst- und Kochbananen unterschieden werden kann.

In Deutschland wird die Banane hauptsächlich als Obstbanane und als Nebenmahlzeit konsumiert. Im Vergleich dazu deckt die Kochbanane in anderen Ländern circa 1227% des täglichen Kalorienbedarfs. Die Kochbanane wird eher als Gemüse angesehen und größtenteils in den Ländern verspeist, in denen sie angebaut wird. Bei der Obstbanane wird am meisten die Sorte Cavendish kultiviert, da diese durch ihren Geschmack, die Resistenz gegenüber Pilzarten und die günstigen Anbaubedingungen überzeugt. Allgemein werden in den Anbauländern viel mehr Bananen konsumiert als in anderen Ländern, beispielsweise werden von den 100 Mio. Tonnen geernteten Bananen nur 16 Mio. Tonnen exportiert.

Siegel

In deutschen Supermärkten sind auf Bananen hauptsächlich Aufkleber von drei Zertifizierungsorganisationen zu finden: Bio, Fairtrade und Rainforest Alliance sind hierzulande am weitesten verbreitet. Daneben gibt es aber auch kleinere Organisationen wie Banafair. Diese Zertifizierung ist nach eigenen Angaben nur auf Bio-Bananen und anderen Produkten aus Lateinamerika, welche kleinbäuerlicher Produktion entstammen, zu finden. Sie deckt ein wesentlich kleineres Marktsegment ab als die oben genannten Siegel und ist hauptsächlich in Bio- oder Dorfläden zu finden. Grundsätzlich stehen die Siegel für soziale und ökologische Mindeststandards, die beim Anbau von Bananen eingehalten wurden.

Ganz unkritisch ist dies bei zertifizierten Bananen nicht zu sehen und auch von Organisation zu Organisation sind die Anforderungen und Kontrollsysteme unterschiedlich. So gibt es Berichte über Missstände auf Bananenplantagen. Hier ist zudem anzuführen, dass die Arbeiter:innen auf zertifizierten Kulturen zum Teil keinen höheren Lohn erhalten als auf nicht zertifizierten Plantagen. Dagegen sind aber die Arbeitsbedingungen, vor allem mit Blick auf die Arbeitsplatzgarantie, auf zertifizierten Anbaustandorten besser. Nutzlos sind Zertifizierungen also nicht. Durch sie werden Bemühungen um einen umweltbewussten Anbau angestoßen und die Bedingungen der Arbeiter:innen auf den Plantagen verbessern sich, auch wenn bei beiden Punkten noch viel Luft nach oben ist.

Herausforderungen

Eine globale Herausforderung, die auch Auswirkungen auf den Bananenanbau haben wird, ist der Klimawandel. So werden in wichtigen Anbauregionen wie Indien, Costa Rica und Kolumbien die Temperaturen den Optimalwert für das Bananenwachstum überschreiten. Zudem werden Extremwetterereignisse wie Hurrikane zunehmen und auf Plantagen große Schäden anrichten. Alles andere als rosige Aussichten, doch das sind nicht die einzigen Problematiken. Denn neben dem Klimawandel gibt es auch unzählige Krankheiten und Bananenschädlinge, welche die Bananenpflanzen befallen können.

Diese verbreiten sich im letzten Jahrhundert immer schneller und stellen eine große Herausforderung und Gewinneinbußen für die Bananenindustrie dar. Um dem entgegenzuwirken, wird versucht, neue Arten zu züchten, die resistent gegen diese Bedrohungen sind. Zudem sollen Kontrollen, Desinfektionsanlagen, aber auch Drohnen im Kampf gegen Schädlinge helfen. Ein enormer Aufwand, der betrieben wird, damit die Banane weiterhin ein wichtiges Exportgut bleibt.

Nachhaltigkeit

Auch das Thema Nachhaltigkeit macht bei der Banane keinen Halt. Wie bereits oben erwähnt, hat die Staude mit vielen Krankheiten zu kämpfen. Um diesen entgegenzuwirken, ist oftmals eine große Menge an Pestiziden nötig. Deshalb sollten andere und neue Methoden zur Schädlings- und Krankheitsbekämpfung gefunden werden, die im Idealfall biologisch sind und weder die menschliche noch die Bodengesundheit gefährden. Eine weitere Möglichkeit wäre, neue Sorten zu züchten, welche resistenter gegen Krankheiten und Hitze sind. In manchen Regionen haben Bananen mit Trockenheit zu kämpfen, was für die Pflanzen extremen Stress bedeutet. So ist es von großer Bedeutung, sich mit effizienten Bewässerungssystemen auseinanderzusetzen.

Darüber hinaus wäre eine der besten Ideen, zurück zu einer traditionellen Anbaumethode zu kehren. Diese Methode wird vor allem von kleinbäuerlichen Betrieben häufig praktiziert. Hierbei werden verschiedene Pflanzen wie beispielsweise Avocado, Grapefruit, Kaffee oder eben Banane zusammen angebaut. Dabei benötigt der Landwirt weniger Mineraldünger und erzielt folglich bessere und gesündere Produkte.

Des Weiteren ist für einen nachhaltigen Anbau auch der soziale Aspekt von hochgradiger Bedeutung. Hier sollten höhere Löhne und bessere Sozialleistungen für Arbeiter:innen eingeführt und weiter ausgebaut werden. Dabei müssen wir Konsument:innen uns auch an unsere eigene Nase fassen. Denn durch unseren Einkauf leisten wir einen zentralen Beitrag, um nachhaltig wirtschaftenden Bauern und Bäuerinnen die Möglichkeit zu geben, im Konkurrenzkampf eine Chance zu haben.

Deshalb: Augen auf beim Bananenkauf!