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Kaffee

Caffè Crema, Espresso, Cappuccino

AllgemeinesAnbaugebieteAnbau und ErnteProdukteSiegelNachhaltigkeit

Allgemeines

Einer Legende nach entdeckte bereits im 9. Jahrhundert ein Ziegenhirte den Kaffee, als er beobachtete, dass seine Ziegen, nachdem sie von den roten Kaffeekirschen naschten, nicht mehr müde zu werden schienen. Daraufhin probierte er selbst die sonderbaren Früchte und bemerkte schnell ihre stimulierende Wirkung. Mittlerweile weiß man, dass es sich bei Kaffee (Coffea) um eine Pflanzengattung mit aktuell 124 bekannten Arten handelt. Wir kennen meist nur den Arabica-Kaffee (Coffea arabica) und den Robusta-Kaffee (Coffea canephora), welcher uns in unserem Alltag meist in Form eines beliebten Heißgetränks begleitet. Die Kaffeepflanze besteht aus Kaffeekirsche, Fruchtfleisch, welches leicht süßlich nach Honig schmeckt, und zwei Kaffeebohnen, die von einem Silberhäutchen und einer „Pergamenthülle“ umschlossen sind.

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Anbaugebiete

Die Kaffeepflanze ist ein sehr sensibles Gewächs und braucht daher bestimmte klimatische Bedingungen, damit eine optimale Ernte erzielt werden kann. Im sogenannten Kaffeegürtel liegen eben diese Gebiete, die sich optimal für den Anbau eignen. Denn genau dort, wo ein feuchtes und tropisches Klima herrscht, fühlt sich diese Pflanze am wohlsten. Der Kaffeegürtel umschließt Mittel- und Südamerika, große Teile Afrikas, aber auch einige Regionen in Asien besitzen die optimalen Bedingungen für das ideale Wachsen der Kaffeepflanze. Die größten Kaffeeanbaugebiete liegen in Äthiopien, Vietnam und Kolumbien, Brasilien aber ist der unangefochtene Spitzenreiter, was die Kaffeeproduktion betrifft. In der nebenstehenden Karte sind die Länder mit dem größten Anteil am Kaffeeweltmarkt markiert, wobei Kaffeeanbau in nahezu allen Ländern des Kaffeegürtels stattfindet.

 

Anbau und Ernte

Die Kaffeepflanze ist ein sehr sensibles Gewächs, welches ein ausgeglichenes Klima, genug Regen und viel Schatten braucht. In Regionen mit konstanten Temperaturen sind daher mehrere Ernten pro Jahr möglich, während in Gebieten mit großen Temperaturunterschieden die Früchte nur einmal geerntet werden können. Bei den Ernteverfahren unterscheidet man zwischen „Picking“ und „Stripping“. Während bei der ersten Methode nur die wirklich reifen Kirschen von Hand gepflückt werden, werden bei der zweiten Methode alle Kaffeekirschen zur gleichen Zeit gepflückt, wodurch es zu Einbußen in der Qualität kommen kann. Letztere Methode ist aber dennoch die, die meistens für den konventionellen Markt verwendet wird. Zur Verarbeitung der geernteten Früchte gibt es ebenfalls zwei verschiedene Verfahren: Das Trocken- vs. Nassverfahren: Beim Trockenverfahren werden die Kirschen unter ständigem Wenden für 3-4 Wochen in der Sonne getrocknet und danach mit Spezialmaschinen geschält, woraus der Rohkaffee entsteht. Beim Nassverfahren wird der Großteil des Fruchtfleischs in Quelltanks maschinell entfernt und die Früchte werden aufgeweicht, wodurch sich das Silberhäutchen von der Bohne trennt und Rohkaffee als Endergebnis vorliegt.

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Gewöhnliche Produkte?

Die Klassiker: Espresso (der kleine Wachmacher), Cappuccino (Zauberformel 1/3 – 1/3 – 1/3), Latte (mehr Milch, weniger Kaffee), Flat White (zwei Espressi und weniger milchig) oder einfach gefiltert.  

Die Kreativen: Aus rezykliertem Kaffee, Kaffeebohnen und weiteren Teilen der Pflanze kann zum Beispiel Obermaterial für Schuhe entstehen. Außerdem kann recycelter Kaffeesatz zu Kaffeeformen und To-Go-Bechern verwandelt werden, es können geschmackvolle Austernpilze gezüchtet oder nachhaltiger Biobrennstoff hergestellt werden. 

Siegel

Zertifizierung – der Ansatz 

Bei Zertifizierungen handelt es sich um einen freiwilligen, marktgesteuerten Ansatz. Sie bestätigen die Erfüllung bestimmter Kriterien hinsichtlich des Anbaus oder der Produktion von Produkten. Dies bietet den Konsumenten die Möglichkeit, sich beim Kauf bewusst für zertifizierten Kaffee aus nachhaltigem Anbau zu entscheiden. Kaffeesiegel zeichnen Kaffee aus, der ökologische und soziale Standards erfüllt. Zertifizierter Kaffee ist auf dem internationalen Markt bereits weit verbreitet, wobei folgende Siegel am bekanntesten sind: Fairtrade, Rainforest Alliance, 4C Association, Bio-Zertifizierungen für Kaffee aus ökologischer Landwirtschaft. Im Zentrum des nachhaltigen Kaffeeanbaus stehen der Schutz der Umwelt und eine Verbesserung der Lebensbedingungen in den Produktionsländern.

© TransFair e.V. (https://www.fairtrade-deutschland.de/service/presse/details/bio-und-fair-ein-gutes-team-4719)

Bio-Zertifizierung 

Das verpflichtende EU-Bio Logo kennzeichnet seit dem 1. Juli 2010 alle torverpackten Bio-Lebensmittel aus der EU, welche die strengen Normen der EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau erfüllen. Mit dem Bio-Siegel können darüber hinaus Produkte und Lebensmittel gekennzeichnet werden, die nach den EU-Rechtsvorschriften des ökologischen Landbaus produziert und kontrolliert wurden. Kaffeeprodukte mit Bio-Siegel müssen den Vorgaben der EG-Öko-Verordnung entsprechen. Hier wird der Kaffee in Mischkulturen angebaut, der Einsatz von Pestiziden und Kunstdünger ist verboten und die Bohnen werden von Hand geerntet.

Anbauverbände

Neben der Bio-Zertifizierung nach gesetzlichen Regelungen kann eine Zertifizierung nach privatrechtlichen Standards angestrebt werden. Dies geschieht im Rahmen verschiedener Öko-Anbauverbände. Beispiele hierfür sind BiolandNaturlandDemeter oder Biokreis. Die Richtlinien der meisten ökologischen Anbauverbände gehen in ihren Anforderungen an Produktion und Verarbeitung über die Vorschriften der EU-Öko-Verordnung hinaus. So stellt Naturland für den Anbau von Kaffee kulturspezifische Anforderungen auf. Ökologischer Kaffeeanbau erfolgt hier in standortangepassten Agroforstsystemen unter Schattenbäumen.

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Nachhaltigkeit durch Agroforst

Über Sonnenkaffee in Monokulturen können zwar die höchsten Erträge erzielt werden, diese gehen jedoch mit vielen ökologischen Nachteilen einher: Rückgang der Biodiversität, Kontamination von Böden oder Walddegradierung. Eine Möglichkeit, den Anbau des Kaffees nachhaltiger zu gestalten, könnte die Agroforstwirtschaft darstellen. Der Begriff setzt sich aus „Agriculture“ und „Forestry“ zusammen und deutet bereits darauf hin, dass es sich um Landnutzungssysteme handelt, die Bäume und den Anbau von Nutzpflanzen verbinden. Mögliche Kombinationen sind dabei Bäume und Ackerkulturen, Bäume mit Tierhaltung oder Bäume mit anderen Baum- bzw. Strauchkulturen wie dem Kaffee. Zwei Agroforstsysteme können dabei unterschieden werden: Bei einer Degradation durch Agroforstsysteme werden Wälder ausgedünnt und ursprüngliche Pflanzen mit schattentoleranten Nutzpflanzen wie dem Kaffee ersetzt. Bei einer Rehabilitation jedoch wird offenes Ackerland aufgestockt und Landflächen können durch das Einbringen von agroforstwirtschaftlichen Pflanzen einen Anstieg an Biodiversität verzeichnen. Für ein erfolgreiches Kaffeeagroforstsystem müssen viele Aspekte beachtet werden. Die Kombination der Pflanzen, der Pflanzzeitpunkt der Schattenbäume, die Distanz zwischen den Pflanzen und die Optimaltemperatur der verschiedenen Kaffeesorten.